Schulgesundheitsfachkräfte

Mehr Gesundheit im Schulalltag

Das Modellprojekt Schulgesundheitsfachkräfte

Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) an öffentlichen Schulen einzuführen, ist dem AWO Bezirksverband Potsdam e.V. bereits seit 2009 ein wichtiges Anliegen. Der AWO Bezirksverband Potsdam e.V., das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MSGIV), das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS), die AOK Nordost und die Unfallkasse Brandenburg sahen in dieser Initiative eine Möglichkeit den Folgen von Kinderarmut entgegenzuwirken, die gesundheits- und bildungsbezogene Chancengleichheit aller Kinder und Jugendlichen zu fördern sowie die Inklusionsbestrebungen im öffentlichen Schuldienst zu unterstützen.

In der Zeit vom August 2016 bis zum Dezember 2021 wurde in mehreren Modellphasen der Einsatz von 18 Schulgesundheitsfachkräften an 27 öffentlichen Schulen erprobt und umfassend evaluiert. Eine Implementation an den Modellschulen ist gelungen. Dem Einsatz der Schulgesundheitsfachkräfte an den Schulen vorausgegangen war die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie im Land Brandenburg und die Erarbeitung eines Curriculums für die Qualifizierungsmaßnahme von examinierten Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräften zu Schulgesundheitsfachkräften.

Das Modellprojekt endete am 31.12.2021. Eine Weiterfinanzierung durch das Land Brandenburg ist nicht gelungen, während andere Bundesländer bereits eine Verstetigung erreicht haben. Allerdings übernahmen viele Kommunen der Modellregionen vorerst die Finanzierung, sodass auch in Brandenburg weiterhin „Schulkrankenschwestern“ für die Kinder und Jugendlichen  an Schulen da sein können.

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Evaluationen und weitere Analysen zur Wirksamkeit des Einsatzes von Schulgesundheitsfachkräften durchgeführt. Zusammengefasst lassen sich folgende Aspekte festhalten:

  • Mehr als die Hälfte der befragten Schüler*innen gab am Ende des Modellprojekts an, öfter über ihre Gesundheit nachzudenken und viel über ihre Gesundheit gelernt zu haben.
  • 87 % der Kinder und Jugendlichen konnten nach einem Besuch im Krankenzimmer der Schulgesundheitsfachkraft wieder in den Unterricht zurückkehren.
  • Der Anteil der Schüler*innen, der sich wegen Erkrankung oder Behinderung gehänselt fühlte, konnte reduziert werden.
  • Nach Auffassung von Schulleitungen sind SGFK ein wichtiger Motor bei der Einführung bzw. Umsetzung von Projekten der Gesundheitsförderung.
  • Die Präventionsaktivitäten wären ohne eine SGFK nicht in demselben Ausmaß möglich.
  • Die zunehmende Routine in der Tätigkeit setzte Ressourcen für die Präventionsarbeit frei.
  • Die gesundheitliche Unterstützung erhöhte die Teilhabe der Schüler*innen am Bildungsprozess.
  • Lehrkräfte konnten durch die gesundheitliche Versorgung einzelner Schüler*innen durch die SGFK ihren Unterricht fortführen.
  • Ein bildungsförderlicher Effekt ergab sich aus dem fachlichen Input der SGFK in Projekten, Arbeitsgruppen sowie durch Beiträge zu Gesundheitsthemen im Unterricht.
  • Lehrer*innen und Eltern fühlten sich durch die SGFK spürbar entlastet.
  • Lehrer*innen wandten sich häufig bei Fragen zum Umgang von Schüler*innen mit einer chronischen Erkrankung und Behinderung oder auch hinsichtlich anderer Gesundheitsthemen an die SGFK.
  • Die SGFK entwickelten sich zur „community nurse“, indem sie über das lokale medizinische und psychosoziale Versorgungssystem Unterstützung vermittelten.

 

Die Evaluationsergebnisse und weitere Dokumente können unter Abschlussberichte und Dokumente als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Nach dem Ende des Modellprojektes im Land Brandenburg übernahmen die Kommunen Beelitz, Perleberg, Neuruppin, Trebbin, die kreisfreie Stadt Cottbus und der Landkreis Barnim die weitere Finanzierung, teilweise befristet für ein Jahr. In Brandenburg an der Havel erfolgt vorerst über die Freudenberg-Stiftung eine befristete Finanzierung. In den kreisfreien Städten Brandenburg an der Havel und Frankfurt/Oder sowie im Landkreis Elbe-Elster war die weitere Finanzierung im März 2022 noch offen.

Die Erfahrungen aus dem Modellprojekt bilden die Grundlage für die weitere Tätigkeit der Schulgesundheitsfachkräfte und werden gemeinschaftlich an die Erfordernisse angepasst und weiterentwickelt. Die Schulgesundheitsfachkräfte arbeiten weiterhin zielorientiert gemeinsam mit den Schulen, Schulträgern, Gesundheitsämtern, Schulämtern und regionalen Netzwerkpartnern an einer gesundheitsfördernden Lernumgebung.

Ansprechpartner

Stefan Zaborowski

Leitung Projekt- und Fördermittemanagement, Leitung Schulgesundheitsfachkräfte im Land Brandenburg
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